Zur Gewalteskalation in Syrien im Januar 2026 – Verantwortung benennen, Menschenrechte schützen


An die Presse, den Deutschen Bundestag und die Europäische Union

Köln, 13. Januar 2026 -  Der TÜDAY Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V. verurteilt die erneute massive Gewalteskalation in Syrien im Januar 2026 aufs Schärfste. Die jüngsten Kämpfe – insbesondere in Aleppo sowie in Nord- und Nordostsyrien (Rojava) – haben zu zahlreichen zivilen Opfern, Vertreibungen und schweren Menschenrechtsverletzungen geführt. Besonders betroffen sind kurdische Zivilistinnen und Zivilisten sowie andere Minderheiten.

Mit großer Sorge beobachten wir, dass die islamistische Gruppierung HTS ihren militärischen und politischen Einfluss ausweitet, während kurdische Selbstverwaltungsstrukturen weiter unter Druck geraten. Berichte über Zwangsvertreibungen, willkürliche Festnahmen und Angriffe auf zivile Infrastruktur häufen sich. Diese Entwicklungen untergraben jede Perspektive auf einen inklusiven, rechtsstaatlichen Neubeginn Syriens.

 

Kritische Rolle der Türkei
Der TÜDAY e.V. sieht die Rolle der Türkei in dieser Eskalation hochgradig kritisch.
• Die fortgesetzte militärische Intervention Ankaras in Nord- und Nordostsyrien sowie die Unterstützung verbündeter bewaffneter Gruppen tragen zur Destabilisierung bei.
• Die pauschale Gleichsetzung kurdischer Selbstverwaltungs- und Verteidigungsstrukturen mit Terrorismus dient als Rechtfertigung für völkerrechtswidrige Maßnahmen und kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung.
• Die politische Einflussnahme der Türkei zielt erkennbar darauf ab, jede Form kurdischer Autonomie zu verhindern – auf Kosten von Menschenrechten, Minderheitenschutz und regionaler Stabilität.

Wir erinnern daran, dass Sicherheit nicht gegen, sondern nur mit den Rechten der Zivilbevölkerung erreicht werden kann. Militärische Lösungen, ethnische Demografiepolitik und die Marginalisierung kurdischer Akteure verschärfen den Konflikt und begünstigen weitere Radikalisierung.

 

Forderungen des TÜDAY e.V.
1. Sofortiger Schutz der Zivilbevölkerung und uneingeschränkter humanitärer Zugang zu allen betroffenen Gebieten.
2. Einstellung aller Angriffe auf zivile Infrastruktur und ein Ende willkürlicher Festnahmen und Vertreibungen.
3. Internationale Untersuchung mutmaßlicher Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen aller Konfliktparteien.
4. Klare politische Einbindung kurdischer Vertreter*innen und anderer Minderheiten in jeden Übergangs- und Verfassungsprozess Syriens.
5. Beendigung der militärischen Interventionen der Türkei in Syrien sowie die Ausrichtung der Türkei an Völkerrecht und Menschenrechten.
6. Konsequente Haltung der Bundesregierung und der EU, einschließlich politischer und rechtlicher Schritte, um weitere Eskalationen zu verhindern.

 

Der TÜDAY Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V. steht solidarisch an der Seite aller Opfer der Gewalt in Syrien. Menschenrechte sind unteilbar – sie dürfen weder geopolitischen Interessen noch sicherheitspolitischen Kalkülen geopfert werden.